Mahnmal Grenzturm – ein ehemaliger Führungsturm der Grenzanlagen der ehemaligen innerdeutschen Grenze am Originalstandort als Mahnmal gegen Diktatur und Gewaltherrschaft
War es tatsächlich so schlimm "bei uns"? Es war sogar noch viel schlimmer, entgegnen die Opfer der SED-Diktatur. Die Peiniger von einst halten nach wie vor dagegen und behaupten frech, nur ihre Pflicht getan zu haben - ein allzu bekanntes "Argument" der Täter politisch motivierter Verfolgung und Gewalt. (Henning Pietzsch)
Ein Gefühl des Grauens beschlich uns. Wir dachten an die vielen Mauertoten, die keinem was zuleide taten und grausam den Tod erleiden mussten, ohne sich dagegen wehren zu können. Verblutet, verstümmelt, verbrannt, verscharrt und verweht, wie Blätter im Wind. (Irmgard Bittner, Mutter des Michael Bittner, der am 24.11.1986 im Alter von 25 Jahren an der Berliner Mauer erschossen wurde.)
Ein ehemaliger „Führungsturm“ der Grenzanlagen in der Gemeinde Katharinenberg ist nach umfangreichen Sanierungsarbeiten der Öffentlichkeit als Mahnmal für die Opfer des SED-Regimes zugänglich gemacht.

Eine Ausstellung im Inneren des Turmes zeigt den Aufbau der Grenzsperranlagen, schildert das Leben im Sperrgebiet, berichtet über Opfer an der ehemaligen Grenze und Zwangsaussiedlungen, außerdem wird Auskunft über „Wüstungen der SED–Diktatur“ gegeben.

Der Turm wird vom Heimatverein Wendehausen betreut. Hier können Sie auch sachkundige Führungen erhalten. Anfragen bitte per Email an heimatverein@katharinenberg.de oder an die Gemeindeverwaltung Katharinenberg, Brückenstraße 3, 99988 Diedorf, Tel: 036024/5600, FAX 036024/56020 oder Email: info@katharinenberg.de.

Weitere Informationen erhalten Sie unter
www.grenzturm.eu
www.grenzmuseum.de
www.stiftung-aufarbeitung.de
www.buergerkomiteethueringen.de
www.grenzbilder.de
www.torhaus-gera.de
www.bstu.bund.de
www.stiftung-hsh.de
www.grenzzaunlos.de
Ca. 600 Beobachtungstürme aus Beton gab es an der fast 1400 km langen innerdeutschen Grenze von der Lübecker Bucht bis nach Hof. Zwei davon sind in der Gemarkung Wendehausen erhalten.

Alle Ortschaften der Gemeinde Katharinenberg: Diedorf, Faulungen, Schierschwende und Wendehausen gehörten zum Sperrgebiet (Diedorf wurde 1972 aus dem Sperrgebiet ausgegliedert).
Es begann am 27. Mai 1952 mit einer Polizeiverordnung über die Sperrzone entlang der Grenze mit 10-Meter Schutzstreifen, 500-Meter Schutzstreifen und 5-Kilometer Sperrzone.

Das Betreten des „Schutzstreifens“ oder der „Sperrzone“ war von besonderen Voraussetzungen abhängig, für Anwohner etwa durch einen Vermerk im Personalausweis, für Besucher durch einen extra auszustellenden „Passierschein“.

 
Das Sperrgebiet durfte nur an Kontrollstellen betreten oder befahren werden. Auf Schildern an der Sperrgebietsgrenze wurde darauf hingewiesen, dass Unbefugten das Betreten oder Befahren verboten war.

Die Bewohner des Sperrgebietes hatten Genehmigungsstempel in ihrem Personalausweis, der zum ständigen Aufenthalt in der Sperrzone berechtigte.

Diese Genehmigung war begrenzt auf das Kreisgebiet und konnte eventuell noch auf Nachbarorte in angrenzenden Kreisen ausgedehnt werden, so in Wendehausen auch für Treffurt, Kreis Eisenach. Die Gültigkeit des Stempels musste regelmäßig verlängert werden, anfangs jedes Quartal, später halbjährlich, dann jährlich und in den 1980er Jahren alle zwei Jahre.

Die DDR-Behörden haben alles getan, um den „normalen“ DDR-Bürger von der Grenze fernzuhalten. Bereits in den Reisezügen von Erfurt nach Eisenach wurden ab Gotha Kontrollen durchgeführt und die Reisenden befragt, wohin sie fahren.

Wanderkarten um den grenznahen Raum gab es nicht. So wurde zum Beispiel auf einer Wanderkarte des Kreises Heiligenstadt der relativ große Anteil des Sperrgebietes durch einen Stadtplan von Heiligenstadt überdeckt. In den Orten der Gemeinde Katharinenberg waren die Wegweiser an den Straßen abgebaut worden, damit Ortsfremde sich nur schwer orientieren konnten.

Auf Übersichtskarten, in denen die Grenze einbezogen war, wurde bewusst darauf verzichtet, Details wie Orte, Straßen, Flurbezeichnungen jenseits der Grenze im Westen auf solchen Karten einzuzeichnen. Der DDR Bürger sollte nicht wissen wie es hinter der Grenze weitergeht.
 

Zwangsaussiedlungen – der totgeschwiegene Terror


Rund 50 000 Menschen wurden in den 50er und 60er Jahren an der innerdeutschen Grenze und entlang der Berliner Mauer zwangsausgesiedelt. Insgesamt mussten 10 000 als „politisch unzuverlässig“ geltende Familien ihre Häuser und Grundstücke verlassen.

Die Zwangsaussiedlungen zählen zu den dunkelsten Kapiteln der Geschichte der ehemaligen DDR. Es handelte sich dabei um die gezielte Entvölkerung der Gebiete entlang der innerdeutschen Grenze. Diese Grenze war in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg zur Nahtstelle zweier grundverschiedener Gesellschaftssysteme geworden.

Anfang der 50er Jahre ging die politische Führung der gerade gegründeten DDR deshalb in einer groß angelegten Kampagne daran, die so genannte Demarkationslinie zur Bundesrepublik Deutschland zu „säubern“. Die Aktion begann im Mai 1952 mit der so genannten Aktion „Ungeziefer“. 1961 führte der Staat unter dem Decknamen „Kornblume“ abermals Zwangsaussiedlungen in großem Maßstab durch. Bei diesen und weiteren Aktionen verloren Tausende von Menschen ihre Heimat und wurden gegen ihren Willen in das Innere der DDR deportiert.

Allein in Thüringen wurden nach vorliegenden Schätzungen 1952 ca. 3.500 und 1961 ca. 1.700 Betroffene zwangsausgesiedelt. Rund 30 Ortschaften und über 200 Einzelgebäude wurden entlang der damaligen innerdeutschen Grenze dem Erdboden gleichgemacht. Die Zwangsaussiedlung, die planmäßige Entvölkerung des Grenzgebiets, schuf die Voraussetzungen für das menschenverachtende Grenzregime der DDR. Und sie war selbst eine menschenunwürdige Maßnahme, die mit großer Rücksichtslosigkeit, zum Teil mit brutaler Gewalt durchgeführt wurde.

In den Ortschaften der Gemeinde Katharinenberg waren 1952 43 Familien und 1961 27 Familien von Zwangsaussiedlungen betroffen. Haus und Hof wurden ihnen enteignet, sie verloren Angehörige und Freunde. Es folgte ein entwürdigender Transport ins Landesinnere, wo zum Teil notdürftige Quartiere zur Verfügung gestellt wurden. Der Zutritt in die genommene Heimat war unter Strafandrohung verboten. Gezielte Zeitungsbeiträge in der SED-Parteipresse diskriminierten und diskreditierten die Betroffenen und sorgten zusätzlich dafür, dass die Zwangsaussiedlungen in der DDR zu einem Tabuthema wurden.
 

Auch nach den Aktionen „Ungeziefer“ und „Kornblume“ fanden weitere Aussiedlungen statt, so dass die Einwohner der Sperrzone ständig in Angst vor einer möglichen Ausweisung gehalten wurden.


An die Zwangsaussiedlungen wird im Grenzturm erinnert, ebenso wie an die Vertreibung und den Abriss von Gütern in unmittelbarer Grenznähe.
Wüstungen der SED-Diktatur
Als Wüstungen bezeichnet man laut Lexikon untergegangene Siedlungen. Die wichtigste Wüstungsperiode fällt in Mitteleuropa ins 13.-15. Jahrhundert. Auch aus dieser Zeit befinden sich Wüstungen in der Gemarkung Wendehausens. Aus der jüngeren Geschichte haben wir in unserer Gegend Wüstungen, welche uns die SED-Diktatur hinterlassen hat

In unmittelbarer Nähe zur innerdeutschen Grenze liegende Gebäude wie Forsthäuser, Gutshöfe, Herrenhäuser, Kapellen und andere Kulturstätten ließen die DDR-Machthaber abreißen bzw. sprengen. Sie sollten möglichen DDR-Flüchtlingen keinen Unterschlupf bieten.

Im Gebiet des Eichsfeldes ereilte dieses Schicksal fast 100 Objekte.

In der Gemarkung Wendehausen wurden in den 1950 -1970er Jahren das Vorwerk Karnberg, das Rittergut Kleintöpfer, die Ziegelei Kleintöpfer und das Gut Scharfloh dem Erdboden gleichgemacht. An diesen Stätten hatten über viele Generationen hinweg Menschen gelebt und gearbeitet.
 
Im „Mahnmal Grenzturm“ sind Sie herzlich willkommen, um sich über einen Teil der deutschen Geschichte zu informieren, der in der allgemeinen Hektik des Alltages all zu leicht in Vergessenheit zu geraten scheint.